Seitensuche

Einfache Sprache

Leichte Sprache

Seitenzoom

Schriftgröße

Schriftgröße ändern


Windows:

  • [Strg]-[+] Schrift vergrößern
  • [Strg]-[-] Schrift verkleiner
  • [Strg]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen

Mac:

  • [Command]-[+] Schrift vergrößern
  • [Command]-[-] Schrift verkleiner
  • [Command]-[0] Schriftgröße Zurücksetzen

Kontrast Ansicht

Kontrastansicht

Inhalt

Sie befinden sich hier:

Entstehungsgeschichte

Wie alles begann...

Die Idee zu diesem Projekt ist am „Küchentisch“ entstanden. Genau da, wo viele wichtige Ideen entwickelt werden, die auf konkreten Erfahrungen beruhen und mit dem Wunsch verbunden sind, dass sich etwas verändert. Juliane Käser, Cindy Davì und Gabi Kloep-Weber sind die Initiatorinnen des Projektes. Bei Gesprächen über eigene Erfahrungen zu Teilhabe und Teilgabe wurde uns deutlich, dass es Bad Kreuznach Veränderungen braucht. Ganz konkret und in kleinen Schritten. Als Rollstuhlfahrerin ist es Cindy Davì wichtig, dass es mehr bauliche Barrierefreiheit braucht – in und um Bad Kreuznach.  Als Ärztin mit asiatischen Vorfahren erlebt sie aber, dass die baulichen Barrieren nicht die einzigen Barrieren in unserem Zusammenleben und -arbeiten sind. So wurde schnell klar: Wenn wir etwas zusammen entwickeln, dann sollen alle Menschen – so unterschiedlich sie auch sind – dabei gewinnen.

Als Mutter und Begleiterin von Kindertageseinrichtungen wusste Gabi Kloep-Weber, wie wichtig die Erfahrung für Kinder ist, erwünscht und anerkannt zu werden. Wenn Kinder ihr Selbstbild entwickeln ist es wichtig, dass sie sich – so wie sie sind – angenommen fühlen. Sie wollen Konstrukteure ihrer eigenen Bildungsprozesse sein und sich selbstwirksam erleben.

Juliane Käser ist seit ihrem Studium der Pädagogik stark von der Behindertenbewegung geprägt. Im Zentrum ihres reichen Erfahrungsschatzes steht die Erkenntnis, was alles möglich wird, wenn Menschen sich zusammenschließen, ihre derzeitigen engen Rahmen verlassen, darüber hinaus denken und neue Lebensmöglichkeiten entwickeln.

So war die am Küchentisch geborene Idee bereits sehr schnell nicht mehr aufzuhalten. Für das gemeinsame Projekt war ebenfalls von Beginn an klar: Inklusion ist kein weites Ziel, sondern ein gemeinsamer Weg. Ein Weg, den wir nur gemeinsam gehen können. Ein Weg, auf dem jede und jeder wichtig ist und wir auf niemanden verzichten können. Weil wir fest daran glauben, eins plus eins plus eins ist eine gute Grundlage und wesentlich mehr als drei...

Und kaum hatten wir begonnen, von unserer Idee zu erzählen, wurden aus den drei Initiatorinnen bereits sehr schnell vier und fünf und sechs Mitmacher*innen...


Vom Küchentisch zur Erkundung des Sozialraums – das Vorprojekt

Mit einer Gruppe von acht Leuten starteten wir unser neunmonatiges Vorprojekt. In dieser Zeit war das wichtigste Ziel, genau zu erkunden, wer in und um Bad Kreuznach lebt, welche Barrieren es für welche Menschen gibt und welche Hoffnungen und Wünsche Menschen für das Zusammenleben vor Ort haben. So machten wir uns auf den Weg, diesen Sozialraum zu erkunden. Wir suchten Gespräche mit unterschiedlichen Menschen, wollten wissen, was ihnen in und um Bad Kreuznach wichtig ist oder wo sie sich Veränderungen wünschen. Wir suchten Menschen, Initiativen und Institutionen, denen ein gelingendes Zusammenleben ebenfalls ein Anliegen war. So entstand das Projekt „inklusiv leben lernen“ - eine Kooperation des Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Bad Kreuznach (ZSL), der Caritas Rhein-Hunsrück Nahe, des Bistums Trier und der kreuznacher diakonie.

Während unserer Sozialraumerkundung wurde deutlich, dass es Veränderungen auf verschiedenen Ebenen braucht:

 

  • Inklusion beginnt in Kopf und Herz. Dies ist wohl einer der wesentlichsten Punkte, der uns bewusstgeworden ist. Wer Verschiedenheit als Bereicherung erlebt, wer Erfahrung damit hat, dass ein interessanter und neuer Weg entstehen kann, der ist offen und heißt andere ebenfalls herzlich willkommen. Dann ist es egal, ob sich Hautfarben unterscheiden oder Begabungen, Lebensformen und sexuelle Orientierungen, Religion oder kulturelle Herkunft. Wo ein Wille, da ein Weg. Wo Hoffnung, da Kraft in der Gegenwart.
  • Inklusion entsteht zwischen Dir und mir: Sind wir neugierig auf andere, lassen wir uns von ihnen überraschen, so können wir mit Erstaunen erleben, eins plus eins ist drei. Wir als Team sind selbst diesen Weg gegangen und haben erlebt, was mit Menschen passiert, die in klaren Strukturen arbeiten und die auf Menschen treffen, die gerade empowert als Aktivist*innen ihre Ideen umsetzen. Dass eins plus eins drei sein kann, ist nicht immer direkt zu erkennen. Dafür braucht es Austausch und Zeit zum Reflektieren. Die Autobahnen müssen eingetauscht werden und Trampelpfade entdeckt werden. Langsam und auch in der Auseinandersetzung miteinander haben wir dies gelernt. Hilfreich war für uns in dieser Zeit auch eine Begleitung von außen, die mit uns zusammen Prozesse gestaltet und uns beraten hat. Mittlerweile wissen wir, wer bei uns im Team welche Ressourcen hat, dass es gut ist, auch einmal aktivistisch voranzugehen, sich aber auch immer wieder an das Team rückzubinden.
  • Einrichtungen und Organisationen werden inklusiv. Dies ist manchmal der Wunsch der Menschen in den Einrichtungen selbst, manchmal wird er an sie herangetragen. Die verschiedenen Menschen einer Organisation reagieren unterschiedlich auf diese Veränderung. Viele Menschen und Organisationen sind dankbar dafür, dass sie sich weiterentwickeln können, mehr und mehr Partizipation ermöglichen, sich mehr und mehr gemeinsam zutrauen und froh sind, zu einem gemeinsamen Lernen und gelingendem Zusammenleben beitragen zu können. Es gibt auch andere Organisationen, die vor allem die Anforderung sehen und sich fragen, ob sie all diesen Aufgaben gewachsen sind und sich berechtigterweise gegen Überforderung wehren.
  • Inklusion braucht Kooperation. Inklusion kann nur gelingen, wenn sich Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Fachwissen verbinden und miteinander in einen Lernprozess eintreten. Immer wieder haben wir in der Begleitung erlebt, dass Kooperationen nicht auf Augenhöhe stattfinden. Die einen denken, sie seien Expert*innen und müssten den anderen sagen, was sie tun sollen. Dabei wäre es ein zukunftsweisenderer Weg, miteinander in einen Lernprozess zu gehen. Nur so können unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Kompetenzen und Professionen Neues entwickeln. Denn für Inklusion gibt es keine „Fachleute“. Inklusion ist ein gemeinsamer Weg –  aufeinander hören, aushandeln und Neues entwickeln, Eröffnen neuer Horizonte. Lehrende sind Lernende.
  • Inklusion braucht inklusive Rahmenbedingungen. Das macht Veränderungen nötig. Politisch wird Inklusion gefordert und geht bedauerlicher Weise einher mit Einsparungen. Obwohl der Weg zur Inklusion vor allem und gerade in der Umbauphase zusätzliche Ressourcen braucht. Wegen der Einsparungen wehren sich viele Bildungseinrichtungen und Organisationen zu Recht gegen Inklusion und dem damit verbundenen Sozialabbau. Inklusion ist in Verruf gekommen. Zum Leid derjenigen, die sich wünschen, dass es gelingen möge. Zum Leid derer, die sich wünschen, dass auch dort, wo sie leben, mehr Partizipation und Mitbestimmung möglich wird.

 

Immer deutlicher wurde uns auch, dass Inklusion wichtig ist für ein gelingendes Zusammenleben – hier in Bad Kreuznach, aber auch darüber hinaus. Deshalb engagieren und positionieren wir uns als Projekt auch politisch, gegen Abschottung und Grenzen und für ein herzliches Willkommen aller Menschen.